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Altmörbitz

Nach dem augenblicklichen Stand der Erkenntnisse ist das Dorf Altmörbitz kaum älter als 850 Jahre. Erste Funde in der Gemarkung Altmörbitz stammen aus dem 12./13. Jahrhundert. 1280 wurde der Ort zum ersten Mal urkundlich als „dominus de merenbiz“ erwähnt. 1353 hieß das Dorf in einer Urkunde „meruvicze“.
1445 gab es 23 Bauernhöfe. Durch Tausch der Dörfer Rusdorf und Ehrlich erwarb Hildebrand von Einsiedel 1457 Altmörbitz. Um 1500 ließen sich erste Handwerker und Häusler im Ort nieder.
Im Bauernkriegsjahr 1525 versammelten sich in Altmörbitz Bauern des Osterlandes. Sie verlasen eine Forderungsschrift und zogen als „Bornscher Haufen“ plündernd durch die Gegend. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und die Beteiligten, deren Namen in den Gerichtsakten alle genannt werden, mit Geldstrafen belegt. Doch nur der Name Saupe blieb bis vor wenigen Jahren erhalten.
Um 1570 zählte das Dorf ca. 200 Einwohner – ungefähr so viele, wie heute hier leben. Durch den in dieser Zeit beginnenden Tagebaubetrieb begann ein deutlicher Bevölkerungsrückgang. Die besseren Verdienstmöglichkeiten lockten die Menschen nach Bocka und später in das Bornaer Revier.
Im Jahr 1584 wurde Altmörbitz von der Pest heimgesucht.
Der Dreißigjährige Krieg kam 1632 auch nach Altmörbitz. Die von Lützen kommenden Kroaten brannten das Dorf nieder. Kirche, Pfarre und 4 Häuser blieben übrig. Die meisten Einwohner konnten mit dem Vieh in die nahe Leina flüchten. Jedoch wurden der Pfarrer und weitere sechs Einwohner am Waldrand erschossen. Bereits ein Jahr später fielen 84 Menschen erneut der Pest zum Opfer.
1740 wurde die noch heute bestens erhaltene kursächsische Wegesäule errichtet.
Um 1800 lebten im Ort ca. 300 Einwohner. Es gab 53 Hausnummern.
Noch nach 1945 gab es in Altmörbitz neben 21 landwirtschaftlichen Betrieben eine Vielzahl von Handwerken, z.B. 1 Korbmacherei, 1 Stellmacherei, 1 Fleischerei, 1 Bäckerei, 1 Schumacherei, 1 Maler, 1 Schneiderei, 1 Getreide- und Sägemühle und 1 Polstergrasspinnerei. Das Dorf hatte zwei Gasthäuser und einen Kolonialwarenladen. Die noch heute betriebene Schmiede wurde wahrscheinlich um 1700 erbaut.
1950 hatte das Dorf durch Flüchtlinge und Umsiedler 441 Einwohner. Zwei Jahre später kam Altmörbitz mit der „Verwaltungsreform“ zum neu gebildeten Kreis Geithain.
1954 eröffnete ein Erntekindergarten, welcher 1977 zur ständigen Einrichtung wurde und bis kurz nach der „Wende“ in den Räumen der alten Schule erhalten blieb. 1960 wurde nach langen Auseinandersetzungen die Gründung der LPG Typ I "Wyhratal" mit 17 Betrieben, 165 ha und 34 Mitgliedern durchgesetzt. 1974 wurden die LPG Altmörbitz, Gnandstein und Dolsenhain zur KAP der LPG "Albrecht Thaer" zusammengeschlossen. Daraus entstand 1975 die KAP Pflanzenproduktion Jahnshain.
1964 wurde mit dem Bau der zentralen Trinkwasserleitung begonnen.
1970 begann die Errichtung der Talsperre Schömbach, welche 1977 als Wasserreserve für die Braunkohlenwerke im nördlichen Bornaer Revier in Betrieb genommen wurde. Heute erfüllt sie eine wichtige Hochwasserschutzfunktion.
Im Herbst des Jahres 1989 begann auch in Altmörbitz die „Wende“. Der neue Gemeinderat wurde im Mai 1990 gewählt. Eine der ersten Amtshandlungen des Rates war die Zurückverlegung der Gemeindeverwaltung in Räume der alten Schule auf dem Kirchberg. Das war für den weiteren Bestand dieses Gebäudes, aber auch für die Erhaltung des Komplexes „Kirche-Pfarre-Schule“, von entscheidender Bedeutung.
Die Altmörbitzer Kirche zählt zu den am besten erhaltenen Bauernkirchen Sachsens. Sie unterscheidet sich stark von der „herrschaftlichen“ Kirche in Gnandstein. Sämtliche Baukosten der Kirche hatte die Gemeinde stets allein zu tragen.
Vermutlich begann um 1150 der Bau einer hölzernen Kapelle. Nach 1200 wurde diese durch eine steinerne Kirche ersetzt, wovon noch heute die Grundmauern des Kirchenschiffes zeugen. Erst 100 Jahre später erhielt sie einen Turm und das erste Geläut. Burggraf Otto von Leisnig richtete 1350 eine ständige Pfarrstelle ein. Damit ist wohl auch die Entstehung des Pfarrlehns Altmörbitz verknüpft. Bereits 1525 wurde die Kirche evangelisch.
Um 1540 hatte die Kirche bereits eine Uhr. Ein Jahrzehnt später kam die noch heute erhaltene Kanzel hinzu. Kurz darauf erfolgte der Einbau der Emporen. 1574 wurden der Neubau des Pfarrhauses samt Scheunen und Ställen in Angriff genommen. 1578 stifteten Ambrosius Meister, Fabian Mehlhorn und Hans Fogel den Taufstein der Kirche. Über 100 Jahre - von 1698 bis 1799 - waren die Pfarrer Wimmer (Vater und Sohn) in Altmörbitz tätig!
Einem beherzten Zimmermeister ist es zu verdanken, dass die Kirche nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1782 nicht abbrannte. Die Kirche erhielt 1806 eine neue Orgel, welche Meister Hesse aus Lunzenau baute. Um diese Zeit erfolgte auch die Bemalung der Kirche im bäuerlichen Barock. Die Pfarre erlebte 1820 einen Umbau und erhielt in diesem Zuge eine neue Pfarrwohnung.
1917 löste man das Pfarramt Altmörbitz auf und legte es mit Gnandstein zusammen.
Zur Schulgeschichte unseres Ortes wissen wir, dass bereits 1533 ein Schulmeister beschäftigt wurde. Doch soll um 1600 die Schule „lange wüst“ gelegen haben. Bauern schickten ihre Kinder in die Mühle zu einem Hauslehrer. Ab 1609 wurde wieder ein Schulmeister bezahlt. Und im Jahr 1829 wurde für 1258 Thaler die neue Schule gebaut.
1953, drei Jahre nach der Neubildung des Kreises Geithain, wurde die Zweiklassenschule aufgelöst. Alle Kinder wurden ab diesem Zeitpunkt in Frohburg unterrichtet. Wie bereits erwähnt, hielt der Kindergarten in den alten Schulräumen Einzug. Nach dem Neubau der Zentralschule in Kohren-Rüdigsdorf wurden ab 1963 die Kinder der Klassen 1-4 in Gnandstein eingeschult, während die Größeren in die neue Schule gingen.
Aus der Zeit zwischen 1750 und 1860 stammen die meisten Fachwerkhäuser des Dorfes. Überall im Ort sind heute noch Besonderheiten und Kostbarkeiten der Volksarchitektur zu sehen. Vierseitenhöfe weisen viele Details der Altenburger Umgebindebauweise auf, zu denen z.B. die Laubengänge auf Teichmanns und Steinhardts Gut zählen oder auch das berühmte Sonnentor der Familie Steinhardt. Das Umgebindehaus des ehemaligen Gutes Saupe, heute Riedel, stammt aus dem Jahr 1808. Schlusssteine des Seitengebäudes verraten die ursprüngliche Nutzung der Räume.
In den Jahren 1992 bis 1994 fanden größere infrastrukturelle Veränderungen statt. Die B 95 wurde komplett ausgebaut und das Gewerbegebiet Altmörbitz-Pflug erschlossen. Der Staudamm wurde umfassend saniert. Dabei entstand auch eine Fußgängerbrücke über die Wyhra. Durch den Ausbau der Bundesstraße und die erforderlichen Erdarbeiten konnten weitere bedeutende Erkenntnisse zur Ortsgeschichte gewonnen werden.
1996 wurde Altmörbitz nach Kohren-Sahlis eingemeindet. 2005 feierte unser Dorf sein 725jähriges Bestehen.
2008 erfolgte die umfassende Neugestaltung des Park- und Rastplatzes am Rand der Leina. Leider ist es bis heute nicht gelungen, den dort vorhandenen Spielplatz zu erneuern und eine öffentliche Toilette einzurichten.
Seit dem letzten Jahr erfolgt im Ort die Anbindung an die zentrale Abwasserentsorgung.

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Sonntag, 30. April 2017