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Am Dorfteich
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Blick vom Burgturm über den Schlosshof nach Westen
Blick vom Burgturm über den Schlosshof nach Westen
Burgkomplex von Südosten
Burgkomplex von Südosten
Dorfkirche - Blick zur Orgel
Dorfkirche - Blick zur Orgel
Ehemalige Wirtschaftsgebäude des Ritterguts unterhalb der Burg
Ehemalige Wirtschaftsgebäude des Ritterguts unterhalb der Burg
Eingang in den Märchengarten
Eingang in den Märchengarten
Gnandsteins Höhendominanten Kirch- und Burgturm
Gnandsteins Höhendominanten Kirch- und Burgturm
Kanzelaltar
Kanzelaltar
Mittlere Terrasse des Burggartens
Mittlere Terrasse des Burggartens
Renovierte Nordseite der Burg
Renovierte Nordseite der Burg
Schatzsuche im Märchengarten
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Treppe zum Gärtnerhaus
Treppe zum Gärtnerhaus
Verkaufsraum des Textilhanddruck
Verkaufsraum des Textilhanddrucks

Gnandstein


Wenn man sich über die Hochflächen des mittelsächsischen Lösshügellandes dem Dorf Gnandstein nähert, sieht man die Behausungen der 343 Einwohner (Mai 2011) nicht, sondern nur einen mit Zinnen bekränzten runden Burgturm (33m) und einen Kirchturm  (1577) (Foto: Gnandsteins Höhendominanten). Die beiden Höhendominanten bringen den besonderen Charakter des Dorfes zum Ausdruck, den man aber beim Herunterfahren oder  -wandern zur neuen Porphyr verkleideten Wyhrabrücke gut wahrnehmen kann: Gnandstein entstand an der Stelle, an der die Wyhra um einen Porphyritfelsen einen Bogen macht und in ihrem ehemals weitgehend  sumpfigen Tal für zwei sich kreuzende Routen eine der wenigen Stellen für eine Furt anbot. Zum Schutz der Furt und als vorgeschobenen Posten gegenüber dem Reichsterritorium Altenburg ließ der Meißner Markgraf am Beginn des 13. Jahrhunderts auf dem Bergsporn eine Burg bauen. Es siedelten dort auch aus dem Fränkischen eingewanderte Bauern, für die auf dem Berg gegenüber dem Burgberg, auf der westlichen Wyhraseite, eine Kirche erbaut wurde.
Der besondere Charakter Gnandsteins hat sich also aus dem Zusammenspiel zwischen bestimmten naturräumlichen Gegebenheiten und den Bedürfnissen des Adels und der Bauern im Mittelalter ergeben. Der Felsvorsprung und der Flusslauf der Wyhra mussten einerseits bei der baulichen Entwicklung der Burg und des Dorfes immer berücksichtigt werden, bedingten andererseits eine Vielfalt und Kontinuität von Ortsteilstrukturen und eine kleinteilige Einbettung mannigfaltiger Gebäudearten in das Gelände (Foto: Blick vom Burgturm über den Schlosshof zur Dorfkirche).
Spaziergänger durch die Ortsteile Burg- und Kirchberg, Bauerngasse, Neue Sorge und Hinterdorf werden überrascht von immer neuen Einblicken in die versteckten Reize Gnandsteins, seien es die Kette der Teiche, die unterhalb der Bornwiese entlang des Saubergs liegen, der alte Steinbruch Neue Sorge im Wyhratal in Richtung Wüstenhain oder die vielfältigen Gartenformen im Tal und an den Hängen. Wenn man darauf achtet, wird man bemerken, dass in Gnandstein häufig für Mauern, Tür- und Fenstergewände, Treppen und Zaunsäulen Porphyr verwendet wurde, also im „Land des Roten Porphyr“ liegt.  Es lag nahe, Gnandstein in den neuen Pilgerweg „Via Porphyria“ aufzunehmen (siehe: www.via-porphyria.de). Auch beim Ausruhen auf der Terrasse des Burgcafés oder des Eiscafés und im Biergarten des Wirtshauses Zum Tonkrug kann sich der Gast an den beiden „Höhendominanten“ und dem Ausblick auf die unter viele Bäume gekuschelten, durchweg kleinen dörflichen Gebäude erfreuen.
Für die Entwicklung Gnandsteins seit dem Späten Mittelalter bis in die Neuzeit waren vor allem zwei Faktoren wichtig: die naturräumliche Gegebenheit des Lössbodens als Grundlage  einer ertragreichen landwirtschaftlichen Produktion und die Kontinuität bei den Besitzern der Burg. Von 1409 bis 1945 gehörte sie der Familie von Einsiedel. Auch diese Familie aus niedrigem Adel lebte von dem fruchtbaren Boden durch die Abgaben der Bauern und den Betrieb eines Wirtschaftshofs, auf den sich wohl der 1486 erstmals erwähnte Ausdruck „Rittergut“ bezieht. Der bemerkenswerte Reichtum der Familie aber stammte aus Anteilen sehr ergiebiger Silberminen bei Geyer im Erzgebirge. Über 200 Jahre dienten die von Einsiedels sächsischen Kurfürsten und Herzögen als Berater. Für ihre treuen Dienste wurden die von Einsiedels mit Dörfern in der näheren Umgebung belehnt, so dass sie ein kleines Herrschaftsgebiet ausbilden konnten und die Burg zu einem Verwaltungssitz ausbauten.

Wenn die Burg Gnandstein heute zum kulturell herausragenden Kreis der „Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen“ gehört (siehe www.schloesserland-sachsen.de), so ist das vor allem dem gewinnbringenden Tätigkeiten der Familie von Einsiedel und „ihrer“ Bauern und Handwerker im Späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit zu danken. Denn ein großer Teil der Früchte ihres Tuns wurde für beeindruckende Bauten und Kunstwerke eingesetzt: die vielfach erweiterte, ja zum Schloss ausgebaute Burg (Foto: Burgkomplex von Südosten) und die reich ausgestattete Dorfkirche, die beiden bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Gnandsteins. Zu unserem Glück entschieden die von Einsiedels, dass ihnen die Unterburg genug Raum für den Umbau in ein Schloss bot und sie die Oberburg stehen lassen konnten. Diese beeindruckt mit dem Bergfried, der Schild- und Zwingermauer sowie dem Palasbau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts heutige Besucher besonders, aber hatte am Ende des 15. Jahrhunderts an militärischer Bedeutung verloren.
Damals machten die von Einsiedels mit umfangreichen und ambitionierten Neubauten die Unterburg zum Zentrum der Burg, indem sie, um Raum zu gewinnen, den Nord-, Süd- und Westflügel über den Hang hinausschoben. Es entstanden mehrgeschossige substruktionsartige Kelleranlagen, die wehrhaft ausgebaut und in denen Schießscharten eingelassen wurden. Wie die Mauern dieser Anlagen  aus dem Fels herauszuwachsen scheinen, kann der Besucher selbst in Augenschein nehmen, egal, ob er den südlichen Treppenaufgang aus der Mitte des 19. Jahrhunderts oder den viele Jahrhunderte älteren steilen Weg an der Nordseite nimmt. Dieser kurze, aber beschwerlichere Aufgang hat vier Vorzüge: Er ist der älteste Zugang, der direkt von der alten, an der Nordseite des Burgberges gelegenen Furt hoch führte. Er führt entlang eines doppelten Schutzwalles, den man vor allem vom oberen Teil des Weges aus noch erkennen kann. Er gestattet einen Blick auf die erhaltenen Fenstergewände der Burgkapelle im ersten Obergeschoss des halbrunden Flankierungsturms. Er bietet einen Blick auf einen aufgeputzten spätgotischen Sims aus Fischblasen und Lilien unter der Dachtraufe, der in Resten bei der Renovierung der Nordseite gefunden und vervollständigt wurde (Foto: Renovierte Nordseite der Burg)
Das heutige Erscheinungsbild der meisten Baukörper der Burg verdankt sich der barocken Gestaltung der Außenhaut der meisten Baukörper. Diese Umgestaltung erfolgte in der Zeit zwischen 1720 und 1740. Zwar ist die barocke Gestaltgebung gemessen an zeitgleichen Bauten des sächsischen Hochbarocks bescheiden, aber mit ihrer am Baubestand ablesbaren nunmehr fast 800jährigen Geschichte ist die Burg Gnandstein eine der bedeutendsten Burgen im Freistaat Sachsen.
Die beeindruckende Lage der Burg auf dem Bergsporn und ihre imposanten hohen Mauern motivieren viele Besucher Gnandsteins, sich auch ihr Inneres anzusehen. Die Räumlichkeiten wurden Jahre lang renoviert, und seit 2007 baute man kontinuierlich eine neue Dauerausstellung auf (www.burg-museum-gnandstein.de). Sie zeigt nicht nur während der archäologischen Grabungen zutage getretenen Funde, wie in der historischen Küche des Palas, sondern stellt auch ausgewählte Aspekte aus der Geschichte der Familie von Einsiedel vor. So werden in dem neu eröffneten Archiv- und Briefgewölbe einige Schriftstücke gezeigt, die aus der Zeit stammen, als die von Einsiedels zu den einflussreichsten Beamten am sächsischen Kurfürstenhof und zu den frühesten Anhängern Martin Luthers gehörten. Aufgrund der letzteren Tatsache ist die Burg Gnandstein eine Station auf dem Lutherweg in Sachsen (www.lutherweg-sachsen.de). Bei einer Führung durch die mittelalterliche Kernburg eröffnet das Burgfräulein Rosalie dem Besucher die Lebensweise und Baukultur im Mittelalter auf eine gut verständlichen Art und Weise.
Vor allem Besucher des Kohrener Landes, die ein Interesse für Luthers Wirken mitbringen oder in Gnandstein von der historischen Rolle der Familie von Einsiedel in Sachsen Kenntnis nehmen wollen, möchten auch das Innere der Dorfkirche Gnandstein kennen lernen (www.kirche-kohren.de), denn sie ist die Patronatskirche der Familie von Einsiedel gewesen. Der jetzige Bau im spätgotischen Stil wurde 1518 vollendet. Vor allem die vollständige Einwölbung dieser Dorfkirche zeugt von dem damaligen Reichtum der Familie (Foto: Kanzelaltar). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Innere kunstvoll ausgestattet bzw. ergänzt, so mit der Patronatsloge, einem Kanzelaltar, einem Taufbecken, sandsteinernen Platten mit Standbildern von dreizehn von Einsiedels, Gemälden an den Emporen, einem Beichtstuhl und einer Orgel (Foto: Blick zur Orgel).
Schon im Jahr 1525 wurde der vom Patronatsherren Heinrich Hildebrand von Einsiedel eingesetzte Pfarrer evangelisch. Der damalige Herzog Georg beobachtete die Einführung der Reformation mit Misstrauen und forderte 1527/28 die Entlassung evangelischer Pfarrer. Heinrich Hildebrand beriet sich mit Luther. Dieser riet, nicht den Besitz aufs Spiel zu setzen und den Pfarrer in Gnandstein zu entlassen; er riet weiter, diese Stelle vorerst nicht neu zu besetzen. Daher konnte in Gnandstein die Reformation erst nach dem Tod Herzog Georgs eingeführt werden.
Wer, auf dem Parkplatz unterhalb der Burg angekommen, gegenüber von einem erhöht liegenden imposanten Fachwerkhaus und einer über 100 Meter langen doppelten Bruchsteinmauer angelockt wird, findet wahrscheinlich zwischen den leeren ehemaligen Schafställen des Ritterguts und einem alten Schuppen eine barock anmutende Porphyr-Treppe (aus den 1840er Jahren), die zu dem Fachwerkhaus, dem Gärtnerhaus des Burggartens, hinaufführt (Foto: Treppe zum Gärtnerhaus). Der Burggarten gilt als historisches Gartendenkmal im ländlichen Raum. Als sich die Familie von Einsiedel unterhalb des Ritterguts  um 1700 einen „Lustgarten“ anlegen ließ, entstand der noch heute sichtbare Charakter des Areals am sonnenexponierten Südhang des Burgberges. Mächtige, bis zu sechs Meter hohe Bruchsteinmauern teilten den Garten in drei Terrassen und damit in verschiedene Nutzungsbereiche. Auf der Straßenebene befand sich der „Küchengarten“. Auf der mittleren Ebene konnte man zwischen damals modischen Kübelpflanzen lustwandeln. Der (Obst-) „Baumgarten“ befindet sich bis heute auf der oberen Ebene. Die Kübelpflanzen wurden in der Orangerie überwintert, die an ihrer großen Glasfront im Untergeschoss des Gärtnerhauses auch heute noch erkennbar ist.
Da aufgrund fehlender historischer Vorlagen eine Rekonstruktion nicht möglich ist, werden auf der mittleren Ebene des Burggartens vor allem solche Nutzpflanzen und Blumen aufgezogen, die für die Burgherrschaft und die Dorfbewohner in vergangenen Jahrhunderten von besonderer Bedeutung waren. Der Burggarten ist von Mai bis September auch von oben zugänglich. Der Burggärtner macht mit geheimnisvollen Themen viele Besucher neugierig und veranstaltet an sommerlichen Sonntagen Führungen zu bestimmten Pflanzengruppen, zum Beispiel Nelken, Obst oder Färberpflanzen (Foto: Mittlere Terrasse des Burggartens).
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Direkt unterhalb der Burg, gegenüber dem Parkplatz auf dem zugeschütteten Mühlen- oder Schafteich, haben einige der vormaligen Wirtschaftsgebäude des Ritterguts neue Nutzungen gefunden (Foto: Ehemalige Wirtschaftsgebäude des Ritterguts). Vor einem hübschen kleinen Fachwerkhaus, in dem einst der Gutsförster wohnte, flattern blau-weiß bedruckte Platzdecken, Tischbänder und Topflappen an der Wäscheleine. Denn hier befindet sich der Textilhanddruck der Agrargenossenschaft e. G. Kohrener Land (www.kohren-information.de/Handwerk/Schauwerkstätten). In dem Haus pflegen „sächsische Landfrauen“ die Tradition des Blaudrucks und verkaufen die selbst produzierten Wohnraumtextilien zusammen mit Kohrener Keramik für den täglichen Gebrauch (Foto: Verkaufsraum des Textilhanddrucks).
Der Textilhanddruck fungiert auch als touristische Informationsstelle, stellt eine freundliche Ergänzung zu den am Parkplatz aufgestellten Tafeln dar, die über touristische Ziele, Wander- und Radtouren Auskunft geben, und teilt sich mit dem Fremdenverkehrsverband „Kohrener Land“ e. V., der 50 Meter entfernt auf der anderen Seite der Wyhrabrücke sitzt, die Informationsarbeit (Foto: Am Dorfteich, mit Fremdenverkehrsverband). Wenn Kinder auf dem Parkplatz eintreffen, wird ihnen nicht das geöffnete Tor zum Miniaturen- und Märchengarten „Im Kohrener Land“ entgehen (Foto: Eingang in den Märchengarten; www.maerchengarten-im-kohrener-land.de). Er liegt im Wyhrabogen, wo man 1977 eine Grünanlage geschaffen hat. Unter Schatten spendenden Bäumen können sich Kinder und Erwachsene auf spielerische Weise den „Märchen zum Anfassen“ nähern und bei Kinderfeiern oder Regen das „Riesenhexenhaus“ nutzen (Foto: Schatzsuche im Märchengarten).

 

 

 

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Freitag, 18. Mai 2012